Weltbevölkerung soll globales Parlament wählen, fordert in Delhi vorgestelltes Buch

Secretariat, 17. Mai 2012

Bundesminister Deshmukh stellt Buch vor, unterstützt Etablierung einer UN-Parlamentarierversammlung

Im Zeitalter der Globalisierung sollten die Bürger der Welt durch die Direktwahl eines globalen Parlaments mehr Verantwortung bekommen. Dieser Vorschlag zur Demokratisierung der Global Governance stand gestern im Mittelpunkt der Debatte, als die indische Edition eines neuen Buches zum Thema vom indischen Bundesminister für Wissenschaft und Technologie, Vilasrao Deshmukh, der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Autoren des Buches sind die US-Professoren Richard Falk,

Bundesminister Deshmukh und der Abgeordnete Tharoor während der Veranstaltung
Bild: CEUNPA

University of California, und Andrew Strauss, Widener University. Ihrer Argumentation nach muss demokratische Entscheidungsfindung "auf das globale System ausgeweitet" werden.

Bei der Vorstellung im CSIR-Gebäude in Neu Delhi sagte Vilasrao Deshmukh, Bundesminister für Wissenschaft und Technologie, dass der Vorschlag "kühn" sei und ernsthaft erwogen werden solle. "Es ist allgemein anerkannt, dass Global Governance demokratischer werden muss. Hier ist nun ein innovativer Vorschlag, wie das gemacht werden könnte", sagte er. "In einem ersten Schritt", so Deshmukh, "könnte eine weitgehend beratende Parlamentarische Versammlung bei den Vereinten Nationen eingerichtet werden, wobei nationale Parlamente, darunter auch das indische Parlament, gewählte Vertreter dorthin entsenden könnten. Die UN-Parlamentarierversammlung könnte die Bürgerkammer der UNO werden während die UN-Generalversammlung als Oberhaus fungiert".

Shri Deshmukh fügte hinzu: "Ich unterstütze eine internationale Kampagne für die Einrichtung einer Parlamentarischen Versammlung bei der UNO, die von mehr als 800 Abgeordneten aus aller Welt und hunderten führenden Persönlichkeiten unterstützt wird, darunter von über 45 Mitgliedern des indischen Parlaments. Ich hoffe, dass eine gewählte globale parlamentarische Versammlung noch zu unseren Lebzeiten eine Realität wird".

"Anfangs wird die Parlamentarische Versammlung der UNO ein beratendes Organ der UN-Generalversammlung und eine globale Stimme der Bürger sein. Aus praktischen Gründen sollten die Vertreter der UN-Parlamentarierversammlung von den nationalen Parlamenten der verschiedenen Länder gewählt werden, damit auch undemokratische Staaten wie China mitwirken können", sagte Shashi Tharoor, ein Abgeordneter der indischen Lok Sabha, der 2006 von der indischen Regierung für den Posten des UN-Generalsekretärs nominiert worden war. Er ergänzte: "Alles braucht seine Zeit und wir in Indien sollten die Etablierung einer globalen parlamentarischen Versammlung bei der UNO unterstützen".

Im Vorwort der indischen Auflage des Buches heisst es, dass das Eintreten für eine UN-Parlamentarierversammlung "gut zu Indiens Unterstützung von Demokratie passen würde und wenn sich Indien entsprechend engagieren würde, könnte es die ganze Welt inspirieren, ganz so, wie dies der Fall war, als sich Indien für das Ende des Kolonialismus und der Apartheid einsetzte".

Falk und Strauss argumentieren in dem Buch, dass eine Zahl von zwanzig bis dreißig geographisch, kulturell und ökonomisch unterschiedlichen Ländern mit dem Projekt eines globalen Parlaments beginnen könnten. Sie sind der Ansicht, dass Direktwahlen unbedingt erforderlich sein müssen und dass sich mit der Zeit immer mehr Länder anschliessen würden. Im Vorwort stimmt der ehemalige UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali aus Ägypten zu, dass Demokratie, um effektiv zu sein, über nationale Grenzen hinausgehen muss.

Das Buch ist eine Zusammenstellung von Artikeln und Essays von Falk und Strauss, die zwischen 1997 und 2010 in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen wie Foreign Affairs, The International Herald Tribune oder The Times of India veröffentlicht wurden. Das Buch ist im Online-Handel erhältlich, so zum Beispiel bei Amazon.de und Barnes and Nobles.

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09. Dezember 2011: Minister und prominente Abgeordnete aus Indien fordern ein UNO-Parlament

02. Dezember 2011: Sammelband zur Etablierung einer globalen parlamentarischen Versammlung veröffentlicht

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